12.10.10 | Wie leben Kinder im Netz?
Erziehung im Web
Einschränken oder 'nur' begleiten - wie sollte man Kinder an das Internet heranführen? Foto: Medienforum Mittweida 2010\Luisa Bräuer
Wie lange sollten Eltern ihre Kinder surfen lassen? Eine Frage, "die jeden Medienpädagogen wahnsinnig macht", so Walter Staufer, Referent an der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, bei der Gesprächsrunde "Erziehung im Web". Bei jedem Kind muss individuell beurteilt werden, wie der Entwicklungsstand des Kindes ist. "Eine pauschale Aussage lässt sich nicht so einfach machen."

Und darum ging bei der Diskussion: Kinder und das Internet. Die Generationen, die jetzt heranwachsen, die "Digital Natives", kommen oft schon früh mit dem Internet in Kontakt. Die neue Shell-Studie belegt, dass 96 Prozent der Jugendlichen in Deutschland einen Zugang zum Internet haben. Wegzudenken ist das Internet nicht mehr. Als Medium ist es mittlerweile fest in der Gesellschaft verankert und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Aber es birgt auch Gefahren, zentrale Bedeutung hat deshalb die Aneignung der Medienkompetenz bei Kindern im Umgang mit dem Internet.

Große Anzahl an Webseiten

"Pädagogen konnten sich mit den Computern nicht wirklich anfreunden", bemängelt Gerald Jörns, Diplom Pädagoge vom Projekt "Jugendschutztalk". Das erschwert nun die Vermittlung von Medienkompetenz an die Kinder. Sein Wunsch daher: "Eine bessere Ausbildung von Nachwuchspädagogen". Also Personen, die Kindern und Jugendlichen als Ansprechpartner dienen können. "Die jungen und frischen Lehrer haben sich dort Kompetenzen angeeignet", lobt Jörns.

Ein großes Problem im Internet ist die riesige Anzahl an Webseiten: Die Auswahl ist nahezu unbegrenzt, die Inhalte oft schwer einschätzbar. Aber es gibt Lösungen. Es gibt das "Netz für Kids" – namentlich "fragFinn.de" – ein "geschützter Bereich für Kinder, in dem sie sich frei bewegen können", so Prof. Dr. Sandra Fleischer, Leiterin der Initiative "Ein Netz für Kinder".

Gerald Jörns stellt die Frage in den Raum, warum es keinen Kinderbrowser gebe. Dieser könnte "Orientierung für Kinder geben", sagt er. Dem widerspricht Kai Hanke vom "Deutschen Kinderhilfswerk e.V.". Er ist der Auffassung, dass Kinder "auch Grenzen überschreiten" sollten, um ihre Medienkompetenz auszubilden. Bei diesen Überschreitungen sollten die Kinder "aber begleitet werden", fügt Hanke hinzu.

Wenn Medieninhalte gestaltet werden, dann richten sich die Verantwortlichen meisten nach pädagogischen Erkenntnissen. Professor Fleischer plädiert aber dafür, auch eine andere Perspektive einzunehmen: die des Kindes. "Wir sehen meistens alles aus Erwachsenensicht", bemerkt sie. Ein anderer Ansatz ist es aber, sich mit Kindern zusammenzusetzen und sie zu fragen, "was für sie eine gute Internetseite ausmacht." Doch was tun, wenn Eltern eine Frage haben oder nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen? "Es gibt einen bunten Blumenstrauß an Angeboten, an die sich Eltern wenden können", sagt Walter Staufer. Dieser Blumenstrauß "muss gebündelt werden". Ein "24-Stunden Telefon ist sinnvoller als Büro-Öffnungszeiten", merkt Staufer zudem an.
Datum: 12.10.10 19:00 Uhr | Autor: | Themen: Bildung, Internet, Programm
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Medienforum Mittweida vom 11.-13. Oktober 2010 auf dem Campus der HS Mittweida, Schirmherrin: Nina Ruge
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