12.10.10 | Eine Studie
Identität und Gemeinschaft
Professor Hendrik Speck erläutert die Beziehung virtueller Identitäten zur Gemeinschaft. Foto: Medienforum Mittweida 2010\Daniel Hering
Das Web 2.0 und die Interaktion via Social Networks haben ein Identitätsproblem. Arzt und Bauarbeiter sind auch im Web gesellschaftlich differenziert zu betrachten.

Jadwiga Tzschitzschler aus der 10b ist wieder da. Das olle Ekel! Zehn Jahre war sie verschwunden, nun ist sie wieder aufgetaucht – jedenfalls bei Facebook. Im realen Leben können wir Leuten wie Jadwiga ausweichen, doch in unseren Leben 2.0 tauchen sie wieder in unserem Freundeskreis auf. Entkommen gibt es keines.

Keiner der Gäste im Publikum wusste, was ihn wohl erwarten würde, da der Titel "Identität und Gemeinschaft" wenig über den Inhalt der Veranstaltung verriet. Der laut Referent Prof. Hendrik Speck "recht dröge und unauffällige Titel" umschreibt die Auswirkungen, die der Umgang mit neuen Medien auf uns hat.

Identität verkörpert Niveau

Unsere Identität wird im realen Leben durch persönliche Eindrücke und Orientierungspunkte bestimmt. Ein Doktortitel signalisiert Bildung, starkes Übergewicht dagegen mangelnde Sportlichkeit des Trägers. Doch innerhalb einer digitalen Identität können Wunschvorstellungen erfüllt, manipuliert und verändert werden. Welche Auswirkung auf unsere digitale Gemeinschaft hat beispielsweise die Änderungen des Beziehungsstatus von "Vergeben" auf "Single" bei Facebook? Wie soll Werbung, die auf unser spezifisches Surfverhalten angepasst wird, bewertet werden? Wo fängt Service für den Benutzer an, wo wird die Grenze zum Datenschutz überschritten? Die Medieninkompetenz bei der herrschenden Klasse gepaart mit der Systemträgheit sind wohl die größten Probleme für eine zeitgemäße Lösung im verantwortungsbewussten Umgang mit neuen Medien. Denn momentan reagiert die Politik "mit Antworten von vorgestern auf die Fragen von morgen", so Prof. Hendrik Speck.

Der zugegeben schnöde Titel verriet wenig über eine interessante Studie, die aber erhebliche Relevanz für jedes Soziale Netzwerk-Individuum von uns hat. Auch Prof. Hendrik Speck endet mit der Frage: "Wenn die Inhalte der sozialen Netzwerke so stark von außen beeinflussbar sind, wie viel eigene Identität bedeutet das dann noch für jeden von uns?"
Datum: 12.10.10 20:50 Uhr | Autor: Josefin Päßler | Themen: Programm, Social Media
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Medienforum Mittweida vom 11.-13. Oktober 2010 auf dem Campus der HS Mittweida, Schirmherrin: Nina Ruge
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