12.10.10 | Können wir überhaupt noch aus den eigenen Fehlern lernen?
Kritik an den Medien
Die klare Botschaft ans Publikum: Fehler nicht vertuschen, sondern eingestehen und beim nächsten Mal vermeiden. Foto: Medienforum Mittweida 2010\Stefanie Stein
Immer schneller und billiger produzieren – das scheint die Devise des Medienmarktes zu sein. Exklusivität geht über Qualität. Doch wer schaut den Großen der Branche eigentlich auf die Finger? "Keiner kritisiert die Tagesschau, obwohl diese jede Menge Unfug verbreitet", brachte Referent Walter van Rossum den Sinn und Kern der bevorstehenden Diskussion auf den Punkt. Der Autor teilte sich mit DWDL-Geschäftsführer Thomas Lückerath, MEEDIA-Autor Stefan Winterbauer und dem Sprecher des Deutschen Presserats, Bernd Hilder, die Plätze des Podiums.
Einziger verbaler Schlagabtausch zu Beginn
Hilder lieferte sich mit van Rossum bereits in den ersten Minuten den einzigen verbalen Schlagabtausch des Gesprächs. Danach kam auch Thomas Lückerath zu Wort. Dem Vorwurf des Qualitätsverlustes setzte er entgegen: "Ich habe noch nie zuvor so viele interessante Infosendungen und Dokumentationen im deutschen Fernsehen gesehen. Der Zuschauer muss sie nur finden." Seine Ausführungen beendete er mit der Frage, ob wirklich der Sender oder das Publikum mit den Einschaltquoten das Programm bestimme.
Der Presserat: Keine Waffen gegen schlechte Berichte
Um letztlich zum eigentlichen Thema überzuleiten, kam die Gesprächsrunde nun auf die Fehler in der Berichterstattung im Falle des Amoklaufs von Winnenden zu sprechen. Ohne Rücksicht auf die dabei entstandenen Vorwürfe hätten die Medien auch beim Duisburger Loveparade-Drama im Juli 2010 den gleichen schwerwiegenden Fehler begangen. Erneut wurden Bilder der Opfer und teils sogar Abbildungen von Leichenteilen veröffentlicht. Alles ohne vorherige Erlaubnis. Der deutsche Presserat, beim Medienforum von Bernd Hilder vertreten, könne solchen Vergehen nicht die passenden Waffen entgegensetzten. Eine bloße Abmahnung sei für einen Sender oder eine Zeitung keine Abschreckung mehr, so Hilder.
Das Radio als Negativleuchtturm
Doch warum eigentlich nur diese beiden Mediensparten? Vom Radio war bisher keine Rede. Moderator, Prof. Horst Müller, hakte daraufhin provokativ nach, ob das Radio als Medium überhaupt noch ernst zu nehmen sei. Für die vier Gäste Grund genug, sich ausschweifend über Gewinnspielsendungen, grunzende Moderatoren und die Media Analyse (MA-Radio) auszulassen. "Könnten sich die Medien nicht immer wieder ein Stück zu weit über die Schmerzgrenze wagen, wenn der Tiger eh nicht beißt?", lautete die goldene Publikumsfrage, die das eigentliche Problem auf den Punkt brachte. Es würde doch nur noch das große Geld zählen und nicht mehr der gute Journalismus, fügte ein weiterer Student hinzu.
Eine Botschaft für das Publikum
Zum Abschluss der Diskussion sollten die Referenten eigene Fehler aus ihren Karrieren aufzählen. Ihre Eingeständnisse lieferten dem Publikum eine eindeutige Botschaft: Wer Fehler gemacht hat, sollte zu ihnen stehen und vermeiden, sie in Zukunft nochmals zu begehen. Viele andere Medienmacher scheinen das noch nicht verstanden zu haben. Wie sollten sie auch, wenn ihnen keiner die Leviten liest?
Einziger verbaler Schlagabtausch zu Beginn
Hilder lieferte sich mit van Rossum bereits in den ersten Minuten den einzigen verbalen Schlagabtausch des Gesprächs. Danach kam auch Thomas Lückerath zu Wort. Dem Vorwurf des Qualitätsverlustes setzte er entgegen: "Ich habe noch nie zuvor so viele interessante Infosendungen und Dokumentationen im deutschen Fernsehen gesehen. Der Zuschauer muss sie nur finden." Seine Ausführungen beendete er mit der Frage, ob wirklich der Sender oder das Publikum mit den Einschaltquoten das Programm bestimme.
Der Presserat: Keine Waffen gegen schlechte Berichte
Um letztlich zum eigentlichen Thema überzuleiten, kam die Gesprächsrunde nun auf die Fehler in der Berichterstattung im Falle des Amoklaufs von Winnenden zu sprechen. Ohne Rücksicht auf die dabei entstandenen Vorwürfe hätten die Medien auch beim Duisburger Loveparade-Drama im Juli 2010 den gleichen schwerwiegenden Fehler begangen. Erneut wurden Bilder der Opfer und teils sogar Abbildungen von Leichenteilen veröffentlicht. Alles ohne vorherige Erlaubnis. Der deutsche Presserat, beim Medienforum von Bernd Hilder vertreten, könne solchen Vergehen nicht die passenden Waffen entgegensetzten. Eine bloße Abmahnung sei für einen Sender oder eine Zeitung keine Abschreckung mehr, so Hilder.
Das Radio als Negativleuchtturm
Doch warum eigentlich nur diese beiden Mediensparten? Vom Radio war bisher keine Rede. Moderator, Prof. Horst Müller, hakte daraufhin provokativ nach, ob das Radio als Medium überhaupt noch ernst zu nehmen sei. Für die vier Gäste Grund genug, sich ausschweifend über Gewinnspielsendungen, grunzende Moderatoren und die Media Analyse (MA-Radio) auszulassen. "Könnten sich die Medien nicht immer wieder ein Stück zu weit über die Schmerzgrenze wagen, wenn der Tiger eh nicht beißt?", lautete die goldene Publikumsfrage, die das eigentliche Problem auf den Punkt brachte. Es würde doch nur noch das große Geld zählen und nicht mehr der gute Journalismus, fügte ein weiterer Student hinzu.
Eine Botschaft für das Publikum
Zum Abschluss der Diskussion sollten die Referenten eigene Fehler aus ihren Karrieren aufzählen. Ihre Eingeständnisse lieferten dem Publikum eine eindeutige Botschaft: Wer Fehler gemacht hat, sollte zu ihnen stehen und vermeiden, sie in Zukunft nochmals zu begehen. Viele andere Medienmacher scheinen das noch nicht verstanden zu haben. Wie sollten sie auch, wenn ihnen keiner die Leviten liest?
Denis
Bartelttyclipso.net
Barbara
Dickmannu. a. ehem. Redaktionsleiterin "ML Mona Lisa"
Jürgen
BurghardtDirector LANG ACADEMY
Wolfgang
BüscherBuchautor, Journalist
Nicolas Alexander
BöllPressesprecher Interessenverband Synchronschauspieler (IVS)
Norbert
GastellSynchronsprecher, u.a. "Homer Simpson"
Günter
BartschGeschäftsführer Netzwerk Recherche
Dr. Johannes
BeermannStaatsminister und Chef der Staatskanzlei im Freistaat Sachsen



