11.10.10 | Wie viele virtuelle Identitäten benötigen wir?
Mein digitales ICH
Rob Vegas, rechts im Bild, beschreibt Tino Kreßner seine Erfahrungen als 'digitaler Harald Schmidt'. Foto: Medienforum Mittweida 2010\Stefanie Klawitter
Elf Millionen aktive Deutsche bei Facebook, 500 Millionen weltweit, mehrere Millionen Tweets pro Tag und ein Einstiegsalter von unter zehn Jahren bei der Internetnutzung – all das sind Zahlen, die trotz ihrer Größe nur einen spärlichen Einblick in die Welt der digitalen Identität geben. Unter der Moderation von Tino Kreßner diskutierten heute beim 14. Medienforum Mittweida in der Herbert E. Graus Arena Social Network-Profis über die Zukunft und Sicherheit der "digitalen Identitäten".

Wie einfach man sich im Internet als Fremder verkaufen kann, berichtete Rob Vegas. Der Internet-Showmaster twitterte 2009 mehrere Monate lang als Harald Schmidt und wurde als solcher von mehreren Tageszeitungen zitiert. Selbst die ARD gab seinen Account als offizielle Kontaktadresse an. In der witzigen Aktion sahen die meisten Teilnehmer dennoch einen Wermutstropfen – so wie es Rob Vegas mit Harald Schmidt widerfuhr, kann es auch anderen Nutzern geschehen: dass in ihrem Namen Nachrichten veröffentlicht und verbreitet werden.

Was haben wir durch die Preisgabe unserer Privatsphäre im Netz zu befürchten? Wer ständig seinen Standort bei Facebook, Twitter und Co. mitteilt, muss mit Partys im eigenen Garten oder gar einem leergeräumten Haus rechnen, während er nichtsahnend Urlaub macht. So prophezeit es zumindest Hendrik Speck, Professor für Digitale Medien an der Hochschule Kaiserslautern.

Auch eine neue Identität im Internet ist eigentlich nicht machbar. "Suchmaschinen und Netzwerke können von jedem Nutzer einen "unique footprint" erstellen. Diese Analyse des Nutzungsverhaltens ist einzigartiger als ein menschlicher Fingerabdruck und lässt Rückschlüsse auf jeden Google- oder Facebooknutzer schließen", so Speck. "Das machen meine Studenten in zwei bis drei Tagen." Da bringt ein neuer Nutzername nichts. "Wir stoßen im Internet auf das Problem, dass dieses System alles analysieren und nichts vergessen kann. Und manchmal ist es doch wichtig zu vergessen."
Datum: 11.10.10 16:00 Uhr | Autor: Oleg Jampolski | Themen: Internet, Social Media
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Medienforum Mittweida vom 11.-13. Oktober 2010 auf dem Campus der HS Mittweida, Schirmherrin: Nina Ruge
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